Tiergestützte Therapie

Delfintherapie

Die Delfintherapie ist eine tiergestützte Therapie, die vor allem Kindern mit Behinderungen oder Verhaltensauffälligkeiten helfen soll. Die Therapieform gilt jedoch als umstritten, unter anderem wegen fehlender Beweise zu ihrer Wirkung. 

Wofür wird die Delfintherapie eingesetzt? 

Die tiergestützte Therapie mit Delfinen wird vor allem zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Ziele dieser besonderen Therapie sind zum Beispiel, die Konzentration der Kinder zu steigern oder ihre Fähigkeit zur Kontaktaufnahme zu verbessern. Weiterhin kann das Schwimmen mit Delfinen eine Art Belohnung und Motivation für das Kind sein. 

Eingesetzt wird die Delfintherapie vor allem bei Kindern mit Autismus, geistiger Behinderung, Hirntraumata und seelischen Erkrankungen. Wissenschaftliche Belege, dass die tiergestützte Therapie Kindern mit Autismus hilft, liegen jedoch nicht vor. 

Weltweit gibt es mehrere Zentren für die tiergestützte Therapie. Der Stiftungsfonds Delfintherapie empfiehlt beispielsweise Einrichtungen auf den Cayman Islands, den Niederländischen Antillen sowie in Florida. 

So funktioniert die Delfintherapie

Kritiker bemängeln, dass die Delfintherapie oftmals auf dem Prinzip der Belohnung basiert, da dem Patienten damit hauptsächlich ein Aufmerksamkeitsdefizit unterstellt werde. Neben der Aufgaben mit anschließender Belohnung im Delfinbecken, gibt es jedoch auch Therapieabläufe, bei denen die Patienten aktiv mit den Delfinen zusammenarbeiten. 

Im “Onmega Dolphin Therapy & Activity Center” in der Türkei werden die Patienten im ersten Schritt mit den Delfinen vertraut gemacht, um gleichzeitig die Sensoren Informationen von allen Gefühlsorganen zu aktivieren. Im zweiten Schritt soll der Patient mit Hilfe des Therapeuten einige Aufgaben mit dem Delfin absolvieren. Dazu gehört das Werfen und Holen von Bällen und Bewegungen im Wasser. Die Delfine, die zuvor in einem Lehrprogramm trainiert wurden, neigen zu allelomimetrischem Verhalten (Nachahmung). Dies wird sich für die Therapieaufgaben zunutze gemacht. 

Vorteil des “Onmega”-Delfinariums: Die drei trainierten Delfine leben in einem schwimmenden Freiwasser-Delfinarium und dadurch in einem möglichst natürlichen Lebensraum. Es handelt sich dabei um das einzige Freiwasser-Delfinarium in Europa. 

Ist die tiergestützte Therapie sinnvoll? 

Beim Blick auf die Standorte der Zentren wird schnell klar: Die Delfintherapie gehört zu den kostspieligeren Behandlungsformen für verhaltensauffällige und behinderte Kinder. Der Kostenpunkt liegt zwischen 5.000 und 10.000 Euro, je nach Behandlungsform und Zeitraum. Nicht mit ein berechnet sind dabei die Reisekosten. Nicht nur deshalb übernehmen Krankenkassen keine Kosten für die tiergestützte Therapie. Auch sei die Wirkung der Delfintherapie noch nicht zweifellos bestätigt, heißt es auf der Homepage der Krankenkasse AOK. 

Es gibt zwar Studien, die der Delfintherapie eine Wirkung bescheinigen – jedoch nur unter bestimmten Umständen. Laut der AOK hätten zudem Tierschutzorganisationen Bedenken, da Delfine wilde Raubtiere seien, die für die Therapie in Gefangenschaft gehalten werden müssen. Bedenklich sei darüber hinaus, dass sich Kinder während der Delfintherapie schon verletzt hätten. 

Zudem kommt hinzu, dass Delfine in Gefangenschaft niemals artgerecht gehalten werden können. Ob in Schwimmbecken oder abgetrennten Meeresbereichen: Delfine müssen auf kleinstem Raum leben. In freier Natur schwimmen sie bis zu 100 Kilometer am Tag und tauchen bis 500 Meter tief – dies kann in Gefangenschaft nicht gewährleistet werden. Darüber hinaus müssen die Therapie-Tiere mit Medikamenten behandelt werden, um Krankheiten bei den Patienten zu vermeiden. 

Quelle

  • t-online/Familie.de 

Therapeutisches Reiten

Therapeutisches Reiten umfasst pädagogische, psychologische, psychotherapeutische, rehabilitative und sozial-integrative Maßnahmen, die über das Medium Pferd umgesetzt werden. Zielgruppe sind Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit körperlichen, seelischen und sozialen Entwicklungsstörungen oder Behinderungen. Die Entwicklungsförderung steht dabei im Mittelpunkt; reiterliche Fähigkeiten sind dagegen eher nebensächlich.

Therapeutisches Reiten umfasst die Bereiche:

  • heilpädagogisches Reiten
  • heilpädagogisches Voltigieren
  • Hippotherapie (als Krankengymnastik)

Neben diesen drei bekannten Therapien hat sich der Bereich „Therapeutische Förderung mit dem Pferd“ weiterentwickelt. Dabei steht vor allem das therapeutische Handeln im Vordergrund.

Folgende Anwendungsbereiche finden sich in diesem thematischen Rahmen:

  • Ergotherapeutische Förderung mit dem Pferd
  • logopädische Förderung mit dem Pferd
  • Psychotherapeutische Förderung mit dem Pferd

Nicht dazu zählt der Behindertenreitsport, der eine Sportart und keine Therapie ist. Wobei für unsere Angels die Hippotherapie und die Ergotherapeutische Förderung wohl die besseren Therapien sind.

Therapeutisches Reiten

Heute wird die Hippotherapie als rein medizinischer Einsatz des Pferdes im Sinne einer Ergänzung der Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage verstanden. Es handelt sich dabei um eine physiotherapeutische Einzelbehandlungsmaßnahme, die in ein therapeutisches Gesamtbehandlungskonzept eingebunden sein sollte.

 

Für wen ist die Hippotherapie geeignet?

Die Hippotherapie setzt auf der medizinischen, der Körperebene an und ist geeignet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Reiterliche Vorkenntnisse sind dabei nicht erforderlich. Behandelt werden mit der Hippotherapie hauptsächlich neurologische Symptome. Sie wird eingesetzt bei bestimmten Erkrankungen und Schädigungen des Zentralnervensystems und des Stütz- und Bewegungsapparates. „Hippotherapie bedeutet für den Patienten eine wertvolle Ergänzung zu anderen rehabilitativen Methoden dank ihrer einzigartigen Wirkungsweise.

Wie wirkt die Hippotherapie?

Der Hippotherapeut macht sich durch den medizinischen Einsatz des Pferdes die besonders wertvollen dreidimensionalen Schwingungsimpulse der Pferderückens sowie die Zentrifugal-, Beschleunigungs- und Bremskräfte zu Nutze, die auf den Patienten einwirken. Das Pferd überträgt auf den Rumpf des aufrecht sitzenden Patienten etwa 90 bis 110 dreidimensionale Schwingungsimpulse pro Minute, die fast identisch mit dem Bewegungsablauf des Gehens eines durchschnittlichen Erwachsenen sind. Die Hippotherapie bietet dabei wie keine andere Behandlungsmethode Menschen mit unterschiedlichsten neurologischen Bewegungsstörungen und dadurch gestörter oder verloren gegangener Gehfähigkeit eine harmonische Fortbewegung in einem komplexen gangphysiologisch ablaufen Bewegungsmuster an. Der Patient muss auf die ihm angebotenen Bewegungsimpulse im Rahmen seiner motorischen Fähigkeit reagieren; d.h. er sitzt nicht aktiv zu Pferd, sondern er antwortet auf die auf ihn ununterbrochen einwirkenden Bewegungsreize. Muskelfunktionen oder Bewegungsabläufe wie z.B. das Gehen können so erhalten, verbessert oder wieder neu erlernt werden. Die Bewegung des Pferdes hat ebenso Auswirkungen auf das Gleichgleichgewicht und die Koordination, auf die Rumpfaufrichtung und die Rumpfkontrolle, auf die sensomotorische Integration und auf die Psychomotorik durch gesteigerte Motivation. Durchführung der Hippotherapie Die Therapie findet in der Gangart Schritt statt, in der sich die medizinisch wirksamen Elemente voll entfalten. Es handelt sich dabei um eine physiotherapeutische Einzelmaßnahme. Hippotherapie wird ein- bis maximal zweimal pro Woche möglichst in einer Halle durchgeführt.

Die Behandlungsdauer ist abhängig von der Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit des Patienten; sie beträgt 20 bis 30 Minuten. Der Patient wird während der gesamten Maßnahme vom Hippotherapeuten gesichert. Eine Helmpflicht besteht in der Hippotherapie nicht, da dort der Helm bei der medizinisch-physiotherapeutischen Maßnahme kontraproduktiv wirken kann. Das Therapieteam setzt sich während der gesamten Therapiedauer zusammen aus einem Therapiepferd, einem Hippotherapeuten, einem Pferdeführer, dem Patienten und eventuell einem weiteren Helfer. „Das Pferd hat die Fähigkeit, sich in der Gangart Schritt zu bewegen, dass der auf ihm sitzende Mensch so bewegt wird, als ob er selber gehen würde. Diese Stimulation ist einzigartig und macht das Pferd als Partner in der Therapie besonders wertvoll.“* Die Therapie wird durchgeführt von Ärzten oder Therapeuten, die eine staatliche Anerkennung als Physiotherapeut/Krankengymnast besitzen und die eine berufliche Weiterbildung zum Hippotherapeuten erfolgreich abgeschlossen haben. Die Pferde werden speziell für diese Therapie ausgebildet.

Kostenübernahme

Hippotherapie ist, wenn ärztlich verordnet und durch einen vollapprobierten Physiotherapeuten mit Zusatzausbildung zum Hippotherapeuten durchgeführt, seit 2008 eine anerkannte medizinische Heilbehandlung im Sinne von §4 Nr. 14a UStG und somit von der Umsatzsteuer befreit. Dennoch bleibt die Tatsache, dass seit 1981 die Hippotherapie nicht als anerkanntes Heilmittel nach den Heilmittelrichtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses aufgeführt ist. Die Folge ist, dass gesetzliche Krankenkassen die Hippotherapiekosten nicht übernehmen. Einzelne private Krankenkassen übernehmen im Rahmen von Einzelfallentscheidungen die Kosten.

Ergotherapeutische Förderung

Bei der Ergotherapeutischen Förderung werden Behandlungen auf der Grundlage des sensomotorisch-perzeptiven, motorisch-funktionellen und psychisch-funktionellen Ansatzes unter Einbezug des Mediums Pferd verstanden. Dabei soll der Einsatz des Pferdes die Zielsetzung der ergotherapeutischen Behandlung durch den Bewegungsdialog, das Beziehungsangebot und den unmittelbaren Erfahrungsraum unterstützen und andere Behandlungsmethoden ergänzen. „Die Schwerpunkte liegen hier in den Bereichen Sensorik, Motorik, Wahrnehmung und Verhalten.“

Zielgruppe der Ergotherapeutischen Förderung

Die Maßnahmen richten sich an unterschiedliche Zielgruppen, die z.B. durch neurophysiologische, wahrnehmungsorientierte oder psychomotorische Behandlungskonzepte in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Die ergotherapeutische Behandlung mit dem Pferd ist geeignet für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, dabei sind auch keine reiterlichen Vorkenntnisse erforderlich.

Durchführung der Ergotherapeutischen Förderung

Der Mensch als offenes System – die Behandlung wird von einem ausgebildeten Ergotherapeuten mit einer Zusatzqualifikation in der Ergotherapeutischen Behandlung mit dem Pferd durchgeführt und vom Arzt verordnet. Die Therapiemaßnahme wird in der Regel als Einzelbehandlung durchgeführt. Je nach Zielgruppe und Behandlungsansatz wird eine Assistentin unter Anleitung des Ergotherapeuten eingesetzt.

Ergotherapeutische Förderung

Nach der Anlage zu den Heilmittel-Richtlinien sind bestimmte Maßnahmen oder Indikationen nicht verordnungsfähig. Es kommt immer wieder zu Schwierigkeiten mit den Krankenkassen, weil nicht transparent genug dargestellt wird, dass es sich nicht um Hippotherapie, sondern um tiergestütze Ergotherapie handelt. Daher ist auf die exakte Verwendung der Begriffe zu achten. Jeder Ergotherapeut mit eigener Kassenzulassung gemäß § 124 SGB V erbringt seine Leistung auf Grund einer vertragsärztlichen

Verordnung in seiner Praxis, es sei denn, es wurde ein Hausbesuch verordnet. Das bedeutet für die Therapie mit Tieren, die außerhalb der Praxisräume stattfinden soll, dass es in jedem Fall einer vorherigen Sondergenehmigung oder Sonderzulassung der Kassen bedarf.

Tini Gerlach

(Quelle: Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten e.V., Wikipedia)

Alpaka- und Lamatherapie

Die Alpaka- u. Lamatherapie kommt aus den USA und existiert dort seit über 20 Jahren als gleichwertige Alternative zur Delfintherapie. Die Ansätze und Ziele dieser beiden Therapien ähneln sich sehr. Das Tier fungiert als Helfer in der Therapie, indem es den Therapeuten bei seiner Arbeit unterstützt. Es motiviert den Patienten, weckt versteckte Ressourcen und regt zur Kommunikation an. 

Alpakas und Lamas sind neugierige, aber dem Menschen gegenüber in der Regel sehr zurückhaltende Tiere. Sie stürmen bei artgerechter Haltung und korrekter Erziehung nicht auf den Mensch zu, sondern bewahren eine – besonders für Menschen mit großer Angst vor Tieren sehr hilfreiche – freundliche Distanz. Die Tiere unterscheiden sich dadurch deutlich von Hunden, menschenbezogenen Pferden, Eseln, Ziegen usw., die in der Regel die Distanz zum Menschen deutlich schneller verringern oder aber durch ein eher eigenwilliges, schwer zu lenkendes Nähe- und Distanzverhalten charakterisiert sind. 

Die tiergestützte Therapie und Pädagogik mit Neuweltkameliden wird immer populärer, in vielen pädagogischen und therapeutischen Projekten werden Lamas und Alpakas mit großem Erfolg eingesetzt. So wertvoll Neuweltkameliden im Rahmen von tiergestützten Interventionen sein können, es sind nie die Tiere allein, die „therapieren“. Die tiergestützte Therapie ist keine eigenständige Therapie, sondern immer im Zusammenhang mit bereits bestehenden Therapieformen, Hilfe- / bzw. Förderplänen oder Behandlungskonzepten zu sehen. Lamas und Alpakas werden als Begleiter methodisch in einen Hilfeplan integriert, entscheidend jedoch ist in erster Linie die berufliche Kompetenz des Therapeuten / Pädagogen. 

Für wen ist die Therapie? 

Für Menschen mit körperlichen Behinderungen und Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung und im Verhalten. In der Therapie geht es um das Wahrnehmen und Erspüren der Tiere, der eigenen Person und der Natur mit allen Sinnen. Die Interaktionen zwischen Mensch und Tier wie z. B. beim Führen der Alpakas/Lamas über einen Bewegungsparcours oder dem Versorgen der Tiere, bieten eine Vielzahl von therapeutischen Ansätzen und Möglichkeiten einen Menschen in allen Bereichen zu fördern. Mit der Zeit steigern sich die Anforderungen behutsam, so dass Selbstvertrauen, Empfindungen, Motorik und Persönlichkeit wachsen können. Der Ablauf einer solchen Therapie ist stets an die vorliegenden Fähigkeiten des Patienten angepasst. 

Therapeutisches Kamelreiten

Warum Kamele?

Die Vorteile der Hippotherapie auf dem Pferd sind bekannt. Das zweihöckrige Trampeltier hat noch einiges mehr zu bieten vor allem seine Höcker. Sie sind das ideale Übungsgerät in Kombination mit dem weichen, dreidimensionalen Gangmuster. Der Betroffene sitzt zudem äußert sicher zwischen diesen warmen weichen Lehnen.
Die Höcker erlauben dem Therapeuten, in der geschlossenen Muskelkette mit den Armen selektive Übungen durchzuführen. Durch das warme, nicht zu weiche Fell wird intensive Stimulierung des taktil-kinästhetischen Systems erreicht. Der Betroffene bekommt starke Spürinformationen. Die Oberflächen- und Tiefensensibilität wird aktiv beansprucht. Im Querschnitt ist der Rücken des Kamels verglichen mit dem Pferderücken eher A-förmig als O-förmig, läuft also nach oben hin spitzer zu und ist nicht ganz so breit. Dies ist für Menschen mit Lähmungen und Spasmen in den Beinen eine Erleichterung beim Sitzen, da sie ihre Beine nicht so weit spreizen müssen. Ein weiterer Vorteil sind die Füße des Kamels. Kamele haben keine Hufe sondern so genannte Schielensohlen, dadurch treten sie weich und federnd auf. Kamele strahlen eine sehr wohltuende Ruhe aus, so dass auch ängstliche Menschen schnell Vertrauen fassen. Darüber hinaus sind sie keine Fluchttiere und sehr gemütlich unterwegs. Aber auch ein schaukelnder Trab im Passgang ist möglich und bietet ein besonderes Erlebnis.

Ablauf einer Therapie?

Die Therapie beginnt in der Regel mit der Kontaktaufnahme zum Tier. Der Patient wird aktiv in die Vorbereitungen zum Ritt miteinbezogen, d.h. putzen und satteln und streicheln. Durch die damit einsetzende hohe kognitive Förderung automatisieren sich Gleichgewicht und Stehvermögen gleichsam so ganz nebenher. Schutz – und Stützreaktionen werden notwendig, wenn das Kamel sich mitunter den Menschen mal ganz genau anschauen möchte. Dies sind unschätzbar wertvolle Übungen für spätere Gangsicherheiten. Unser Gehirn lernt ja nur durch Interaktion mit der Umwelt und den notwendigen Reizen.
Das Kamel legt sich brav ab, um den Menschen aufsteigen zu lassen. Nachdem der Patient sicher im Sitzkissen zwischen den Höckern sitzt steht es auf. Es entstehen ein Vorwärts- und ein Rückwärtsstoß. Der Betroffene erfährt eine starke Stimulierung des Gleichgewichtsystems und seiner Koordination, ebenso nach dem Ritt bei Ablegen des Tieres. Die Bewältigung dieser Herausforderung garantiert eine spätere Umsetzung des erlernten Bewegungsgefühls im täglichen Leben. Das bedeutet, der Betroffene wird sich allein viel sicherer fortbewegen können. Während des Rittes werden bei entsprechender Indikation vielfältige Übungen über und am Höcker mit und ohne Geräte (Ball, Reifen, Stäbe etc.) durchgeführt. Während das Becken des Betroffenen vom Tier in die physiologische Gangbewegung mitgenommen wird, werden gleichzeitig die oberen Extremitäten bei durch den Ritt automatisierter Rumpfaufrichtung in funktionelle Bewegung gebracht. Daraus ergibt sich ein äußerst effektives Ganzköpertraining in der geschlossenen Muskelkette, d.h. es ist viel einfacher für den Betroffenen, die Bewegungen auszuführen. Es können verschiedene Bahnfiguren geritten werden, wie z.B. Schlangenlinien, Kreise, Spiralen etc., so dass der Betroffene sich immer neu an Richtungswechsel anpassen muß und dadurch koordinativ immer sicherer wird. Dies zeigt sich dann nach dem Ritt auf festem Boden sehr deutlich. Ein Trab im schaukelnden Passgang ist ein Geschwindigkeitserlebnis der ganz besonderen Art und provoziert ebenfalls Gleichgewicht und Koordination in hohem Maße.

Vor und nach dem Therapieritt sollte ein eingehendes Gespräch mit dem Betroffenen bzw. Betreuer stattfinden. Es können vor dem Ritt noch einige vorbereitenden Übungen am Boden durchgeführt werden (auf Therapierolle) und nach dem Ritt wird das erlernte neue Bewegungsgefühl sofort in praktische Übungen des Alltags umgesetzt, um den Effekt zu festigen.

Wie wirkt das Kamelreiten?

Der Rhythmus des Laufens stimuliert die rechte und linke Körperhälfte gleichermaßen. Daraus resultiert am Ende der Behandlungseinheit eine weitaus bessere Körpersymmetrie, die für  ein sicheres Laufen notwendig ist. Der Höcker bietet eine gute visuelle Orientierung und Sicherheit, und es ermöglicht komplexe Bewegungsübungen in der geschlossenen Muskelkette. Nachgewiesen wurde die Wirkung von Rhythmus und Takt auf die Neubildung von Nervenzellen. Der Hippocampus wird intensiv stimuliert. Dies hat deutliche positive Wirkung auf die Gedächtnisleistung.

Kamelreiten ist eine Komplexbehandlung!

Das Bedeutet, der Betroffene wird von der Fußspitze bis zu den Haarwurzeln neuromuskulär stimuliert, alle Sinnesorgane werden angesprochen, alle Gelenke funktionell mobilisiert.
Spastikhemmung tritt sofort durch die Unterbringung der Fußspitzen in den Steigbügeln und die Bewegungen der Arme + Hände über den Höcker ein (sofern keine Kontrakturen vorhanden sind). Die Sprachmuskulatur wird angeregt durch automatische Kopfaufrichtung. In den Halswirbelgelenken sitzen Gleichgewichtsrezeptoren. Eine Mobilisierung dieser Gelenke ermöglicht eine bessere Fähigkeit zum Gleichgewichthalten. Auch dies passiert beim Kamelreiten ganz automatisch.
Die dreidimensionale Beckenbewegung, in die das Kamel den Betroffenen mitnimmt, bahnt das physiologische Gangmuster perfekt an, in Kombination mit der Stimulanz über die Höcker und der sanften Dehnung der oft sehr verkürzten Muskulaturen auf der betroffenen Seite erreichen wir einen Ganzkörpereffekt. Der Rhythmus des Laufens stimuliert die rechte und linke Körperhälfte gleichermaßen. Daraus resultiert am Ende der Behandlungseinheit eine weitaus bessere Körpersymmetrie, die für ein sicheres Laufen notwendig ist. Erreicht wird eine gute bis sehr gute Rumpfaufrichtung. Das harmonische Zusammenspiel von Bauch- und Rückenmuskulatur ist das Fundament für selbständige Gangfähigkeit. Vorsicht: Patienten mit sehr schwacher Rumpfaktivität eignen sich „noch“ nicht zum therapeutischen Kamelreiten, eine mittlere Rumpfkontrolle ist Voraussetzung.
Nicht zuletzt ist die psychomotorische Wirkung im Zusammensein mit dem großen sanften Wesen Kamel immens. Und die Seele freut sich einfach. Alle beschriebenen Wirkungen sind nachhaltig, der Betroffene spürt tagelang eine deutliche Besserung seiner Fähigkeiten und Schmerzlinderung in der Muskulatur. (Quelle: Jacqueline Majumder TheraKamel) Tini Gerlach

Leider sind Therapeuten die mit Kamelen arbeiten noch recht selten, daher haben wir nur eine Handvoll Adressen zu dieser Therapieform auf unserer Homepage.

Kamelfarm am  Niederrhein UG & Co.KG
Anja Peters
Nordring 155
47661 Issum
Fax: 02835-445863
Email: info@kamelfarm-am-niederrhein.de
www. kamelfarm-am-niederrhein.de

Therapiekamel e.V.
Anika Härtel, Christian Brinkmann, Johanna Egger
Am Dorfanger 12
16775 Löwenberger Land
Tel. 0176-66851727
Fax: 033051-900146 www.anika.haertel@therapiekamel.de

Karawansinn
Familie Dangela-Beuven
Schwarzwaldstr. 8
79848 Bonndorf-Ebnet
Tel. 07703-933166
Mobil 0160-94726281
info@karawansinn.de

Fleckschnupphof (Nassenheide)
Gabi Heidicke
Am Dorfanger 12
16775 Löwenberger Land
www.fleckschnupphof.de
email: info@fleckschnupphof
Therapeuting: Jacqueline Majumder
Tel. 0172-1534628
email: kentaurchiron@gmx.de

Ergotherapeutin Beate Homawoo
Robert-Bosch-Str. 32
65582 Diez
Tel. 0172-2460803 od. 0178-1160763
email: info@sonnenland-homawoo.de
www.sonnenland-homawoo.de

Hundetherapie

Therapeuten auf vier Pfoten

Ein Hund ist nicht nur der beste Freund des Menschen, sondern bietet zudem Unterstützung in so ziemlich jeder Lebenslage. Die Vierbeiner leisten als tierische Therapeuten gute Dienste.

Arten der Hundetherapie

Unterschieden wird dabei zwischen drei unterschiedlichen Therapieformen: Aktivität, Therapie und Pädagogik. Wer mit seinem Hund tiergestützte Aktivitäten (Animal Assisted Activities = AAA) ausführen möchte, braucht dafür keine besondere Ausbildung des Vierbeiners, schließlich „besucht“ man die Patienten nur. Geeignet ist hierfür aber nicht jeder Hund; Voraussetzungen sind etwa ein freundliches, soziales Verhalten und dass der Hund gut erzogen ist.
Tiergestützte Therapien (Animal Assisted Therapy = AAT) haben das Ziel, dass der Hund eine Veränderung des Zustandes des Patienten bewirkt und benötigen eine spezielle Schulung. Letztlich gibt es noch die tiergestützte Pädagogik, bei der Hunde die Arbeit von Pädagogen – etwa mit verhaltensauffälligen Kindern – unterstützen sollen.

Ziele der Hundetherapie Primäres Ziel der Hundetherapie ist es, die Lebensqualität von Menschen zu erhöhen. Dabei können alleine schon durch die Präsenz eines Hundes – also ohne Körperkontakt – positive Effekte bei einem Patienten erzielt werden. Durch den meist recht schnellen Aufbau von Vertrauen, lernen verschlossene Personen, sich zu öffnen und werden im weiteren Sinne selbstbewusster und kommunikativer. Außerdem haben Hunde ein gutes Gespür für den emotionalen Zustand von Personen und helfen beim Abbau negativer Einflüsse wie Stress oder Angst. Wer etwa aufgrund von Angststörrungen oder Depressionen nicht mehr aus dem Haus gehen möchte beziehungsweise kann, dem kann ein Therapiehund Selbstvertrauen, Sicherheit und natürlich Zuneigung geben. Dabei hilft vor allem, dass die Kommunikation mit einem Hund nonverbal stattfindet, sodass beispielsweise Menschen mit Sprachstörungen ohne Schwierigkeiten eine Bindung aufbauen können.

Förderung von Kindern

Bei Kindern können Therapiehunde nicht nur bei körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen Besserungen erzielen, sondern zum Beispiel auch bei Verhaltensauffälligkeiten. Aufgrund der zahlreichen positiven Effekte wird tierliebenden Menschen oft nahe gelegt, sich frühzeitig ein Familienmitglied auf vier Pfoten zuzulegen. So hat jemand, der gemeinsam mit einem Hund aufwächst, unter anderem ein besseres Immunsystem und möglichen Allergien wird aufgrund des ständigen Kontakts vorgebeugt. Durch die Interaktion mit dem Haustier lernen Kinder außerdem, die Körpersprache insbesondere die Mimik anderer Personen besser zu lesen.
Oft beginnen Kleinkinder bereits früher zu krabbeln und zu laufen, da sie sich in die Nähe des Hundes bewegen möchten. Mit dem Älterwerden kann sich ein Kind in zunehmendem Ausmaß selbst um den Vierbeiner kümmern und lernt auf diese Weise, frühzeitig eigenverantwortlich zu handeln. Das bedeutet unter anderem, die Fütterung zu übernehmen. Hierbei ist zu Beginn aber noch die Hilfe der Eltern wichtig, denn Kinder wissen oft nicht, welche Lebensmittel das Tier neben dem Feucht- oder Trockenfutter zu sich nehmen darf oder nicht.
Hunde sind nicht ohne Grund schon seit langem Bestandteil unterschiedlicher Therapieformen. Die menschenbezogenen Vierbeiner sind dafür bekannt, bereits in kurzer Zeit eine emotionale Beziehung aufzubauen. So werden sie seit den 1960er Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen, reichend von Psycho- oder Ergotherapie über Seniorenheime bis hin zu Gefängnissen, eingesetzt.

(Quelle: https://gesund.co.at/hundetherapie-26254/#Linktipps-Hundetherapie) Tini Gerlach